Ein Höhenprofil vor einer Trail- oder Wandertour lesen und vorbereiten
Zwei Strecken derselben Distanz können völlig unterschiedlichen Aufwand erfordern. Das Höhenprofil macht den Unterschied — man muss es nur lesen können.
Was ein Höhenprofil zeigt
Ein Höhenprofil setzt die zurückgelegte Distanz auf die horizontale Achse und die Höhe auf die vertikale. Ein Anstieg liest sich als aufsteigende Neigung, ein Abstieg als absteigende. Zwei Zahlen fassen alles zusammen: der Anstieg (die Summe aller Steigungen) und der Abstieg (die Summe aller Gefälle). Bei einer Schleife, die zum Ausgangspunkt zurückkehrt, liegen diese beiden Werte nah beieinander.
Ein Richtwert zur Beurteilung einer Steigung
Ein Steigungsprozentsatz spricht selten für sich. Als Anhaltspunkt: Ein typischer Wanderweg liegt bei 5 bis 10%, ein anhaltender Anstieg beginnt bei etwa 15%, und eine technische Kletterpassage überschreitet oft 25% — darüber hinaus weicht Gehen dem Einsatz der Hände an manchen Stellen. Im Profil zeigen sich diese Schwellen visuell in der Steilheit der Kurve und, mit der Einfärbung nach Steigung, im Farbwechsel der Strecke.
Warum die rohe GPS-Höhe nicht immer zuverlässig ist
Die von einer Handgelenks-GPS-Uhr oder einem Smartphone gemessene Höhe driftet mit dem Luftdruck: Ein Wetterwechsel mitten in der Tour kann eine ganze Strecke um mehrere Dutzend Meter verschieben. Deshalb lohnt sich eine Korrektur, bevor man dem angezeigten Anstieg vertraut.
Die Korrektur stützt sich auf ein digitales Geländemodell — EU-DEM und Copernicus in Europa, SRTM andernorts — aber nur, um die langsame Drift des Barometers zu korrigieren. Die ursprünglichen Höhendaten werden nie Punkt für Punkt ersetzt, was die kleinen Reliefunterschiede bewahrt, die ein gröberes Geländemodell auslöschen würde.
Was bei einem seltsam wirkenden Profil zu tun ist
Ein isolierter Ausschlag von mehreren hundert Metern an einem einzigen Punkt oder ein plötzlicher Abfall, gefolgt von einem ebenso plötzlichen Anstieg, verrät fast immer einen fehlerhaften GPS-Punkt statt eines echten Geländemerkmals — etwa ein Satellit, der für einen Moment unter dichtem Blätterdach verloren ging. Die Höhenkorrektur glättet solche einmaligen Ausreißer, ohne den Rest des Profils zu berühren. Bleibt ein Sprung auch nach der Korrektur bestehen, lohnt es sich, genau diesen Punkt auf der Karte zu prüfen, bevor man dem angezeigten Anstieg vertraut.
Schwierige Abschnitte vor dem Start erkennen
Das Profil lässt sich direkt durchfahren: Bewegst du Maus oder Finger über die Kurve, zeigt sich der entsprechende Punkt auf der Karte, was eine präzise Lokalisierung eines Passes oder eines technischen Abstiegs ermöglicht. Ein Bereich des Profils lässt sich auch auswählen, um einen Abschnitt zu isolieren und gesondert zu betrachten.
Die Einfärbung nach Steigung beschleunigt diese Lektüre zusätzlich: Die steilsten Abschnitte heben sich visuell ab, ohne dass die rohe Kurve interpretiert werden muss.
Anstieg mit dem Geländeuntergrund kreuzen
Derselbe Steigungsprozentsatz erfordert nicht denselben Aufwand auf Asphalt, Schotter oder losem Erdreich. Die Anstiegslektüre mit der Untergrunderkennung der Strecke zu überlagern, ergibt ein vollständigeres Bild der wahren Schwierigkeit einer Tour als die bloße Anstiegszahl.
Trail oder Wandern: dieselbe Steigung, eine andere Lesart
Ein Trailrunner und ein Wanderer betrachten dasselbe Profil nicht auf dieselbe Weise. Der erste sucht vor allem nach den „laufbaren" Abschnitten — solchen mit einer Steigung, die flach genug ist, um weiterzulaufen — und erkennt im Voraus die Passagen, bei denen gegangen oder sogar die Hände zu Hilfe genommen werden muss. Der zweite denkt eher in Begriffen der über den Tag angesammelten Ermüdung: Ein sägezahnartiges Profil mit vielen kleinen Auf- und Abstiegen zehrt oft mehr als ein einziger durchgehender Anstieg desselben Gesamtanstiegs.
Das Profil zur Aufwandsschätzung nutzen
Anstieg und Distanz zusammen erlauben eine realistische Dauerschätzung je nach ausgeübter Aktivität. Es gibt eine eigene Simulation für sieben verschiedene Sportprofile — Gehen, Trail, MTB, Rennrad, unter anderem — jedes mit seinem eigenen Verhältnis zwischen flacher Distanz und erklommenem Anstieg. Zwei 15-km-Touren können so je nachdem, ob sie 300 oder 1.200 Höhenmeter aufsummieren, sehr unterschiedliche geschätzte Dauern zeigen, was eine realistische Startzeit erlaubt, statt sie unterwegs zu entdecken.
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